Das ist weit, so weit von hier...

Der Stamm Willem van der Marck auf Sommerfahrt 1999.

Vorabveröffentlichung aus der Ringzeitung "WIR" in der Internet-Version mit -gelegentlich vielleicht auch mal aktualisierten- Links.

Der liedkundige Leser ahnt schon anhand des Titels dieser kleinen Geschichte, was denn wohl das Ziel jener 13 hübschen jungen, nicht Reiter, aber Wanderer war, die sich an einem schönen Samstagvormittag am Bahnhof von Iserlohn trafen, um -richtig- in die Bretagne zu reisen. Die Namen jener 13 waren: Felix, Flo, und Kim aus der Horte Kon-Tiki, Flori, Mike, Tobse und Benny aus der Horte Albatros, Oli, Michi und Philip (der mit dem Fahrtennamen Spike heimkehrte) aus der Horte Odin und Björn, Martin und Hüby als Führerschaft dieses Haufens, wobei letzterer auch für diesen Fahrtenbericht verantwortlich zeichnet.

Die erste Etappe führte uns (zusammen mit dem Stamm Wilhelm von Oranien) immerhin bis nach Letmathe, wo etwas Proviant eingekauft wurde. Dann ging es über Köln weiter nach Trier. Der Zug dorthin bestand aus herrlichen alten Schnellzugwagen, bei denen man alle Fenster öffnen konnte und so mittels des Spuck-Tests die Reaktion der Kameraden drei Fenster weiter hinten überprüfen konnte. Außerdem konnte man die Sitze zu einer Liegefläche umfunktionieren und sich darauf lümmeln oder unbotmäßige Fahrtenteilnehmer darunter gefangenhalten.

In Trier erwartete uns Lutz vom örtlichen VCP, eine meiner angeblich "seltsamen" aber dennoch nützlichen Internet-Bekanntschaften, um uns in deren Stammesheim einen willkommenen Schlafplatz anzubieten.

Der Abend verging recht rasch, wobei wir uns auf dem Moselfest noch einmal voll in die Zivilisation stürzten. Nur unwesentlich nach Ende des Festes standen wir lange vor Sonnenaufgang wieder auf, um den ersten Morgenzug nach Luxemburg zu nehmen. Daß es eine halbe Stunde später noch einen Zug gab, erfährt der Rest der Truppe wohl erst mit dem Lesen dieses Berichtes. Man muß halt Reserven schaffen. Auch zeitliche.

Von Luxemburg aus ging es dann in rascher Fahrt in die französische Hauptstadt Paris, wo wir unter dem Eiffelturm lagerten und grüppchenweise die Stadt erkundeten. Zwischendrin holten wir noch die Runte-Brüder vom Zug aus Südfrankreich ab. Den einen, Hendrik, verabschiedeten wir auf dem Nordbahnhof in Richtung Australien via Iserlohn, den anderen, Jan aus der Horte Kon-Tiki, nahmen wir als Nr. 14 mit in die Bretagne. Gegen Abend zogen wir dann auf den Gare Montparnasse um, wo wir uns im Wartesaal zur Ruhe begaben, nachdem uns eine Polizeistreife bestätigte, daß es mit 5 Führern bei 22 Leuten wohl sicher sei. Wie beruhigend.

Der nächste Morgen sah uns im TGV nach St Brieuc, wo wir uns vom anderen Stamm trennten und nach einer ladenöffnungszeitenbedingten längeren Mittagspause in Langueux endlich das Meer erreichten. "Meer" ist vielleicht etwas übertrieben. Es war eine riesige Matschbucht, die bei Hochwasser ziemlich schnell vollief und sich mit einsetzender Ebbe ebenso schnell wieder entleerte. Zwischendrin vermehrten wir uns um einen weiteren Wandergesellen in Gestalt eines Straßenköters, den Martin unheimlich niedlich fand und mit seinem Taschengeld durchfüttern wollte. Der Rest des Haufens war aber durchaus anderer Meinung und mit einigen Schwierigkeiten brachten wir den Hund endlich dazu, sich für etwas anderes zu interessieren, wobei wir allerdings das 6. Pfadfindergesetz ("Der Pfadfinder schont und schützt alles Leben") bis an seine Grenzen ausreizen mussten. In einem Bauerngarten bauten wir zum ersten Mal die Kohten auf. Die Kon-Tikis und Hüby in der einen Kohte entwickelten dabei ein "System" der Platzaufteilung, das sie bis zum Ende der Fahrt eisern durchhielten und nur gelegentlich durch Punktspiegelung am Mittelmasten den Geländegegebenheiten anpaßten.

Am nächsten Tag ging es dann über Hillion, eine einsame Wegkreuzung ("Guck mal, da ist auch ein Schild zum Strand, wollen wir nicht da hin?"-"Riechst du, wie das hier nach Tang riecht? Was meinst du, wie das erst am Strand ist!"-"Na gut, überredet!"), einen Küsten-Berg-und-Talpfad mit Ausblick auf das Meer bis zu einem einsamen Strandparkplatz in der Nähe von l’Ermot d’en Haut, wo wir spontan eine französische Familie an der Heimfahrt hinderten, weil der Papa erst mit zwei Jungs von uns Wasser holen fahren mußte. Die aufziehenden Regenwolken dienten uns als Ausrede, die Kohten einfach auf dem anliegenden Privatgrundstück aufzubauen.

Weiter ging es am nächsten Morgen über Gospinet, wo wir einen Trierer Kleinbusfahrer (indem wir ihm über das Moselfest vorschwärmten) dazu überredeten, uns das Gepäck zu fahren. In raschem Marsch, nur aufgehalten durch Martins sich häufende Toilettenbesuche, ging es daraufhin nach Pleneuf, wo wir auf einem Campingplatz duschten und uns dann dahinter neben einem Golfplatz mit den Kohten an den Strand packten.

Den geplanten morgendlichen Durchmarsch ab vier Uhr bei Niedrigwasser am Strand entlang nach Erquy verzögerte der einsetzende Regen um einige Stunden (wir legten uns lieber noch etwas aufs Ohr), so daß wir kurz vor unserem ersten Etappenziel wegen der Flut doch noch auf die Landstraße ausweichen mussten. Der uns begegnende Linienbus mit dem Zielschild "St Brieuc" entlarvte meine bisherige Behauptung, Busse gebe es an dieser Küste nicht, als Halbwahrheit. Den Tag verbrachten wir am Strand und in der Stadt. Abends kochte uns Björn dann auf der Promenade ein leckeres Chili con Carne. Martin war seine Magenverstimmung immer noch nicht ganz los und trampte derweil unter leichten Krämpfen mit Flo schon einmal bis zu unserem Tagesziel vor Sables d’Or. Dort angekommen zog Flo dann los, um doch noch etwas zu essen zu besorgen. Treusorgend wie er nun einmal ist, brachte er seinem Hortenführer eine Schale fettiger Pommes und eine Flasche Kronenbourg mit, womit er Martins Vorstellungen von einem Essen an jenem Abend aber nicht ganz traf. Martin mußte diese Speise auch recht bald wieder hinter sich lassen, wobei das Fehlen von Klopapier ein ziemlich unangenehmer Umstand war. Nach langem Zögern entschloß er sich endlich, sein heiliges BVB-Badetuch zu opfern, was Björns Leute später mit spontanen Sprechgesängen ("Braun-Gelb Borussia, schalalalala!") kommentierten und weswegen Martin ein persönliches Entschuldigungsschreiben an BVB-Präsident Dr. Niebaum zu schreiben gedachte.

Am nächsten Tag kauften wir im Ort ein und reisten dann mit dem neuentdeckten Bus Richtung Pléhérel-Plage, wo wir auf dem Campingplatz einen Ruhe- und Waschtag einlegen wollten. Beim Einzug auf diesen Campingplatz tat Martin einen Ausruf, der bewies, wie klein die Welt doch ist. Aber so herum kann man die Geschichte eigentlich nicht erzählen. Also anders: Monate später sprach mich auf dem Bundesführertag in Köln Onkel, seines Zeichens Ordensritter aus Aachen an, ob ich der Hüby sei. Ich bejahte. Daraufhin fragte er, ob wir diesen Sommer in der Bretagne gewesen seien. Ich bejahte, leicht überrascht, wiederum. Er fragte dann weiter, ob es denn wohl sein könnte, daß wir auf einen Campingplatz marschiert wären, wobei einer meiner Leute laut ausgerufen hätte: "Hüby, laß uns hier bleiben, hier gibt’s geile Weiber!". Diese Begebenheit am Rande hatte ich längst vergessen, mußte aber nun zugeben, daß auch dies durchaus der Wahrheit entsprach. Ich fragte dann zurück, ob er auch auf diesem Campingplatz gewesen sei, aber er sagte, diese Geschichte sei ihm nur zugetragen worden: "Sag mal, kennst Du in Eurem Bund einen Hüby...". Wie gesagt, so klein ist die Welt. Und so peinlich ist es manchmal, mit gewissen Gesellen durch selbige zu ziehen.

Die anwesenden "Weiber" entpuppten sich bei näherem Hinsehen zwar nicht unbedingt als "geil", aber in Gestalt einer gelangweilten Schülerin aus "Luttwischshaafe" als ziemlich anhänglich und wegen der ständig mitgeschleppten Video-Kamera auch als wenigstens halbwegs unterhaltsam.

Nach dem Ruhetag ging es dann, gemeinsam mit dem ebenfalls eintreffenden Stamm der Oranier, zum Cap Fréhel, wo wir etwas in den Touristenrummel gerieten und dafür abends dann in einer einsamen Bucht hinter dem Cap ein rauschendes Bergfest mit Tschai und Gesang feierten.

Weiter ging es dann zunächst zum Lebensmittelladen in Plévenon und von dort, um einem endlosen Marsch durch tierisch langweilige Felder zu entgehen, per Bus nach St Cast. Die Lagerplatzsuche dort gestaltete sich etwas schwierig und zumindest Björn und ich kamen doch noch auf unsere Marschkilometer. Schon fast resignierend fanden wir dann aber endlich noch eine recht zentral gelegene riesige Wiese bei einem freundlichen Werkstattbesitzer, dem wir zum Dank erst einmal mit dem Fußball die letzten Überreste der Fensterscheiben aus seinem Gartenhaus entfernten. Das abendliche Strand-Match in dieser Sportart fand dann vor recht wenigen Zuschauern statt, dafür aber inmitten von richtigen Tribünen, die wegen eines Beach-Volleyball-Turniers den Strand "zierten". Der nächste Tag verging mit Go-Kart-Fahren, Fußballspielen, Einkaufen und Faulenzen. Björn bereitete mit seinen Leuten irgendeine Mehlspeise, die, ein Drittel Pfannekuchen, ein Drittel Kaiserschmarrn, ein Drittel roher Teig, unheimlich sättigte und den Magen-Darm-Trakt verklebte. Aber es sollte noch schlimmer kommen. Später jedenfalls.

Da der Weg von der St Cast-Halbinsel herunter auch nicht eben landschaftlich reizvoll war, wurde wieder der Bus bemüht und zwar bis Lancieux, von wo aus dann das Tagesziel hinter St Briac wieder zu Fuß erreicht wurde. Zunächst lagerten wir am Strand. Um das dabei gegrabene metertiefe Loch einigermaßen sinnvoll zu nutzen, beschlossen wir, darin zu kochen. Wegen Windschutz und so. Martin krabbelte also mit meinem Petroleumkocher in das tiefe und enge Loch. Das Vorheizen des Kochers war auch noch ganz spaßig. Doch als Martin das Ventil aufdrehte, um mit dem nunmehr vermeintlich gasförmigen Brennstoff eine kleine, heiße Kochflamme zu erzeugen, spielte der Kocher nicht mehr mit und ergoß stattdessen noch etwas flüssiges Petroleum in die Vorheizschale, das sich nun zu einer munteren Stichflamme entwickelte. Irgendwie entkam der Koch dann aber doch noch dem Inferno und der Kocher beruhigte sich. Nach dem Essen reizte uns das leerstehende Grand-Hotel aus den 30er Jahren und wir fanden in seiner halb in der Erde versenkten Wäsche-Trocken-Terrasse einen angenehmen Schlafplatz. Abends dröhnte dann die angrenzende Waschküche, wo noch zwei riesige Waschmaschinen von besseren Zeiten kündeten, von unserem Gesang. Ein spaßiger Abend.

Weiter ging es dann über St Lunaire nach Dinard, wo wir zwar keinen Ruhetag einlegen wollten, aber zur Körper- und Wäschereinigung vor dem Großstadtbesuch noch einmal einen Campingplatz aufsuchten. Vor dem Einschlafen wurde dann in der Kon-Tiki-Kohte, wie so oft, das beliebte Du-mußt-jetzt-eine-Stadt-sagen-die-mit-dem-Endbuchstaben-meiner-Stadt-anfängt-Spiel gespielt, wobei uns Felix mit angeblichen, irgendwie immer ähnlich klingenden Ortsnamen aus seiner Heimatgegend bei Heidelberg köstlich amüsierte. Zumindest konnte ihm vor Ort niemand die Nicht-Existenz von "Geigersheim" etc. nachweisen. Nachdem das Spiel dann auch mit Tierarten irgendwie verflachte ("Grönländischer Hütehund"), kam dann von Kim die sinnige Idee, in der stockfinsteren Kohte "Ich sehe was, was du nicht siehst" zu spielen, wobei bis heute nicht abschließend geklärt ist, ob es sich dabei nun um einen besonders gelungenen Scherz oder um einen besonders hirnlosen Vorschlag handelte.

Wie auch immer, am nächsten Tag setzen wir mit einer kleinen Fähre über die Rance zu unserem Ziel St Malo, wo wir zunächst die zahlreich vorhandenen Großsegler der "Cutty Sark Tall Ship Races" besichtigten. Die Suche nach einem Übernachtungsplatz gestaltete sich als durchaus schwierig und führte mich, wohlwissend, daß in Frankreich die katholische Kirche und die Pfadfinderbewegung eng verbandelt sind, zu sämtlichen Pfarreien der Stadt. In einer fand sich dann auch endlich eine freundliche Pfarrhelferin, die meinte, der Pfarrer würde uns bestimmt im Pfarrgarten zelten oder im Pfarrheim schlafen lassen, ich solle mal um 19 Uhr wiederkommen. Zu dieser Zeit rückten wir dann hoffnungsfroh gleich mit der gesamten Truppe an und fanden einen leider freundlich bedauernden Pfarrer vor, aber zum Glück auch den 72-jährigen ex-Pfadfinderchef der Stadt, der uns einen Zeltplatz hinter dem Heim der örtlichen Seepfadfinder direkt am Meer verschaffte. Der Platz war alles andere als einladend. Er war mit Gestrüpp und Dornen bewachsen und lag unter einer 6 Meter hohen Mauer, auf der oben eine Straße entlangführte. Wir kamen uns vor wie im Eisbärgehege und bald auch wie auf der Müllhalde. Die Hälfte der Bierflaschen, die auf unserem Zelt landeten, war sicherlich auf die Gewohnheit der Anwohner zurückzuführen, aber zumindest bei dem Pommes-Baguette rot-weiß, das Björns Kohte am nächsten Morgen zierte, war sicherlich Vorsatz im Spiel, zumal ein Wort- und Gestenwechsel mit einheimischen Jugendlichen vorangegangen war. Später begutachtete ich die Situation dann von oben und versuchte mir vorzustellen, wie weit man wohl von der Mauerkrone pinkeln könnte. Da man dabei wahrscheinlich kaum die Kohte, ganz sicherlich aber nicht das Rauchloch derselben treffen würde, verzichteten wir auf klärende Versuche und einen Umbau der Zelte.

Die nächsten Tage waren unsäglich heiß. Wir lagen am Strand, wo ich mir auf einem scharfkantigen Felsen den Fuß aufschürfte und zur Belustigung des Restes der Truppe versuchte, auf einem Bein hüpfend den Sand aus der Wunde herauszuhalten. Oli ärgerte die ebenfalls anwesenden Seepfadfindermädels und Flo und Felix kochten den widerlichsten Fraß der ganzen Fahrt zusammen. Bestehend aus Nudeln, Schinken und einem aus Eipulver zusammengerührten Kunstei. Dieses Pulver hatte ich aus purer Neugier von einer weiteren meiner angeblich "seltsamen" Internet-Bekanntschaften erworben. Irgendwie müssen wir uns beim Mischungsverhältnis vertan haben, jedenfalls wollte das Kunstei nicht recht stocken, die Truppe wollte nicht recht essen und Flo und Felix wollten wegen des nach unten hin immer schleimiger werdenen Topfinhaltes die Hortenpötte nicht spülen. Dies taten sie erst am nächsten Tag, wobei das auf den Strand entsorgte "Essen" in Form einer Schar kreischender Möwen doch noch seine Liebhaber fand. Am nächsten Abend verfraßen wir dann lieber den Rest der Fahrtenkasse in einer Vorstadtpizzeria.

Nach zwei Tagen doch allmählich zunehmender Langeweile traten wir dann am nächsten Morgen den langen Marsch zum Bahnhof von St Malo an, wo wir uns mit dem anderen Stamm, sowie den nachgereisten Sascha, Hölle und Peter treffen wollten. Dort trafen dann mit einiger Verspätung Stefan C. und die drei Nachzügler ein und erklärten uns, wir würden den anderen Stamm im Süden der Stadt treffen, wie sich herausstellte, 50 Meter neben "unserem" Seepfadfinderheim. Daraufhin traten wir dann den langen Marsch durch die heiße Stadt erneut an und ließen diesem einen noch längeren Marsch zu einem von Röschi ausgesuchten Lagerplatz am Ende der Welt folgen. Dort kredenzte uns dann Stefan C. ein durchaus widerliches Hundefutter-Ragout. Jedenfalls legten Qualität und Kilopreis des verwendeten Fleisches, sowie Stefans mangelnde Französischkenntnisse diesen Verdacht nahe.

Da die Versorgung am Ende der Welt nicht gesichert und das Baden wegen des Sogs des nahen Gezeitenkraftwerkes verboten und auch nicht anzuraten war, folgte am nächsten Tag wiederum ein langer Marsch zurück nach St Malo, wo wir uns nun am Hauptstrand lagerten und dabei just das Fleckchen Strand erwischten, wo das Hochwasser nicht bis zur Mauer der Promenade reichte. Der Tag verging mit Baden und Stadtbummel. Da das Abendessen erst gegen 22 Uhr fertig wurde und wiederum recht sparsam schmeckte, beschlossen Sascha und ich am nächsten Tag, uns um das Abschlußessen zu kümmern. Das war mit einem Besuch in der gegenüberliegenden Pizzeria schnell erledigt. Nichtsdestotrotz setzten wir das Gerücht in die Welt, wir hätten billig eine ganze Herde Krebse erstanden. Diese könnten wir aber erst abends abholen, da sie in der Hitze des Tages möglicherweise übellaunig und damit weniger wohlschmeckend würden. Einige Leute, z.B. Björn, glaubten diesen Quatsch auch bis zum Schluß. Das Pizzaessen verlief durchaus unterhaltsam, wobei erst Oli ("Wer mag meinen Salat aufessen?") die Führerschaft und diese dann Peter mit dem fürchterlich scharfen Peperoni-Öl, das auf dem Tisch stand, hereinlegte.

Die Nacht verbrachten wir nochmals am Strand und machten uns dann wiederum auf den Weg zum Bahnhof. Vorher frühstückten wir noch in einem Park, wobei einige Herrschaften wieder nicht bedachten, daß man auch in Frankreich beim Deutschsprechen vorsichtig sein sollte. Jedenfalls begutachteten sie fachmännisch und lautstark eine picknickende französische Familie und hier wiederum vor allem deren Töchter und waren etwas überrascht, als die hübscheste der "Töchter", über die man sich zum Glück durchaus anerkennend geäußert hatte, plötzlich auf sie zukam, sich mit den Worten "Hallo, ich bin aus Stadtlohn, und ihr?" als Austauschschülerin vorstellte und grinsend ein Glas Nutella gegen eine Tüte Chips tauschte. Ein ähnliches Erlebnis hatten Björn und Martin schon einige Tage vorher gehabt, als wir die Jüngeren auf dem Heimweg vom Pizzaessen die Mauer der Strandpromenade herunterschubsten. Als ein jüngerer Mann vorbeikam, rief Martin Björn zu: "He, Björn, den da, zu zweit?". Der Mann ließ sich nichts anmerken, ging weiter, und grüßte Martin dann freundlich: "N’Abend!", was dieser -etwas verdattert- nicht recht zu erwidern wußte.

Der Zug fuhr gegen Mittag ab und brachte uns nach endloser Fahrt und endlosen Gesprächen, die den Nullpunkt der Niveauskala bestenfalls von unten ankratzten, wieder nach Paris, wo diesmal keine Zeit für Besichtigungen war. Mit dem Thalys ging es in zunächst rascher Fahrt über Brüssel nach Köln und von dort schließlich nach Hagen, wo diese durchaus gelungene Fahrt nach fast drei Wochen dann schließlich endete.

 

hüby